Review: Pebble Time

Seit vier Wochen habe ich die Pebble Time zusammen mit meinem iPhone nun im Einsatz. Zeit für eine Review.

Die Pebble war immer die etwas andere Smartwatch. Mit dem E-Paper-Display, mehreren Tagen Akkulaufzeit und der Kompabilität, sowohl zu iOS als auch Android, hob sie sich von der Masse ab und versammelte schnell eine treue Anhängerschaft hinter sich. Pebble – das ist die Smartwatch, die sich damit brüstet, zwar bei weitem nicht an den Funktionsumfang der Konkurrenz heranzureichen, dafür aber das, was sie kann, außergewöhnlich gut zu machen. Im Februar diesen Jahres wurde nun via Kickstarter die zweite Generation der Pebble vorgestellt: Die Pebble Time. Neues OS, farbiges E-Paper-Display, aktualisierte Hardware – und mit einem Versprechen: Awesome Smartwatch, No Compromises.

Ich habe vor der Pebble Time weder eine Pebble noch eine andere Smartwatch besessen und zweifelte daran, dass ein zusätzlicher, technischer Begleiter, der regelmässig mit Strom gefüttert werden will, das Leben tatsächlich in einem Maße verbessern kann, dass er die zusätzliche Aufmerksamkeit wert ist. Die Pebble schien eine gute Möglichkeit diese Vermutung auf die Probe zu stellen. 

Awesome Smartwatch, No Compromises?

Die Pebble Time wirkte dabei wie die Smartwatch, die sich mit geringem Widerstand in meinem Alltag integrieren lässt, die grundlegende Funktion der Notifications beherrscht und mit am wichtigsten: Sie versprach eine tatsächliche Uhr zu sein. Durch die lange Akkulaufzeit und das ständig eingeschaltete E-Paper-Display schien die Pebble Time nicht wie ein Computer am Handgelenk, der zufällig auch eine Uhr eingebaut hat, sondern wie eine Uhr, die zusätzlich einen Computer eingebaut hat. Ich entschied mich die Uhr auf Kickstarter zu backen und dem Konzept Smartwatch eine Chance zu geben. 

Das war im Februar. Inzwischen wurde meine Pebble Time ausgeliefert und ist seit gut einem Monat im Einsatz – zusammen mit meinem iPhone 6. Die folgenden Beobachtungen und Eindrücke zur Pebble Time beziehen sich also ausschließlich auf den Betrieb mit iOS.

 

Die Hardware 

Die Pebble Time kommt um einiges erwachsener daher als das Vorgängermodell.  Sie besteht zwar immer noch zum großen Teil aus Plastik, aber ein metallener Rahmen um das Display wertet das Gerät optisch auf. Die Verarbeitung ist solide. Was aber sofort auffällt: Die Druckpunkt der Tasten ist sehr ungenau. Die Pebble Time setzt anstatt auf Touchscreen auf physische Tasten an den Seiten des Gerätes, die mit einem eher schwammingen Druckpunkt aufwarten. 

Das E-Paper Display überzeugt. Mit seinen 144×168 Pixeln ist es zwar eher niedrig aufgelöst, aber die Schrift ist scharf und gut zu lesen. Per Tastendruck kann eine Hintergrundbeleuchtung aktiviert werden. Theoretisch soll das auch via Giroskop und Drehung des Handgelenks möglich sein – in der Praxis hat das aber nur in den wenigsten Fällen funktioniert und ich habe die Funktion ausgestellt. Tatsächlich braucht man die Displaybeleuchtung zum Ablesen der Uhrzeit auch fast nie: Das Display ist – je nach gewähltem Watchface – auch bei schlechteren Lichtverhältnissen gut abzulesen. Überall dort, wo man auch eine „normale“ Uhr noch lesen könnte, kann man auch auf der Pebble ebensfalls noch die Zeit erkennen. 

Die versprochenen sieben Tage Akkulaufzeit erreiche ich mit der Pebble Time nur selten. Realistisch sind bei meinem Nutzungsverhalten (Notifications, Timer, Musik-Playback steuern) gut fünf bis sechs Tage. Dafür habe ich den Eindruck, dass mein iPhone länger durchhält – wahrscheinlich, weil ich nun seltener aus der Tasche nehmen muss. Mit fünf Tagen Akkulaufzeit positioniert sich die Pebble Time aber immer noch weit vor der Konkurrenz. 

 

Das Betriebssystem

Nicht nur die Hardware ist bei der Pebble Time neu: Auch das Betriebssystem wurde generalüberholt. Mittelpunkt ist dabei das „Timeline-Interface“. Das Gedanke dahinter: Man kann bei der Pebble Time sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit scrollen und sich zeitsensitive Informationen anzeigen lassen. Zum Beispiel das Ergebnis des gestrigen Spiels oder kommende Termine. Die Informationen gelangen über die auf der Pebble Time installierten Apps in die Timeline. Da ich selber kaum bis gar nicht Kalender nutze, um mich zu organisieren, benutze ich die Timeline eher weniger.  Das Feature ist aber gut implementiert und für Menschen mit vielen Terminen kann die schnelle Übersicht über den Tag am Handgelenk durchaus eine Hilfe sein.

Fragwürdige Designentscheidung: 14 Tastenanschläge sind nötig, um die Uhr auszuschalten.

Insgesamt ist das OS simpel und übersichtlich gehalten. Allerdings wartet es mit ein paar fragwürdigen Designentscheidungen auf: Will man zum Beispiel die Pebble auf Do Not Disturb schalten, muss man zuerst das Menü aufrufen, dann auf Settings klicken, zu Notifications scrollen und dort die Pebble auf DnD schalten. Das ist umständlich und sollte auch über einen kürzeren Weg möglich sein. Noch schlimmer wird es, wenn man die Pebble ausschalten will: 14 Tastenanschläge sind nötig, um die Uhr auszuschalten. Es gibt zwar die Möglichkeit Shortcuts zu Apps oder dem Settings-Menü auf die „Up“ and „Down“-Tasten zu legen - das ist aber eher ein Workaround. 

Grundsätzlich überzeugt das neue OS aber: Es reagiert zügig und ruckelfrei, läuft stabil und lässt sich intuitiv bedienen. In kommenden Firmware-Updates sollten aber noch ein paar Unebenheiten glatt gebügelt werden.

 

Nun sag, wie hälst du es mit den Notifications?

Eine Smartwatch kauft man sich nicht, um Spiele zu spielen oder damit zu fotografieren (Looking at you Galaxy Gear). Sie sollte viel mehr eine Art Mittelsmann sein, der die Informationen vom Smartphone an den User weiterreicht. Darum steht und fällt eine Smartwatch mit der Art und Weise wie sie mit Notifications umgeht.

Eine Smartwatch sollte eine Art Mittelsmann sein, der die Informationen vom Smartphone an den User weiterreicht.

Wie eingangs erwähnt, betreibe ich meine Pebble Time zusammen mit einem iOS Device - und hier beginnt das Versprechen „Awesome Smartwatch – No Compromise“ etwas auseinanderzufallen – denn die Paarung Pebble und iOS ist eindeutig ein Kompromiss. Während man unter Android in der Lage ist genau einzustellen, welche Notifications ans Handgelenk weitergereicht werden sollen und welche nicht, heißt es beim iPhone alles oder nichts. Will man also nicht, dass es bei jeder kleinen Neuigkeit von Facebook oder Instagram am Handgelenk verbriert, muss man die Notifications für diese Apps global auf dem iPhone deaktivieren. Für manche ist das ein absoluter Dealbreaker – nach meiner Erfahrung mit der Pebble kann das eindämmen der Notifications-Flut, die tagtäglich auf einen einprasselt, aber auch eine Wohltat sein. Ein Kompromiss bleibt es aber dennoch.

Die Notifications selbst kommen sehr aufgeräumt daher. Apps wie Twitter und Gmail warten mit eigenem Logo und Farbschema auf und Notifications von zum Beispiel von SPON, die auf der Pebble kein eigenes Design hinterlegt haben, kommen in einem standardisierten Layout daher. Mehr als eine Benachrichtigung zur Kenntnis nehmen kann man allerdings nicht: Entweder reagiert man gar nicht – dann verschwindet die Notification nach ein paar Minuten und die Pebble zeigt wieder die Zeit an – oder man „dismissed“ die Benachrichtigung und sie verschwindet sowohl von der Pebble als auch vom iPhone Lockscreen.

Leider funktioniert das aber nur in eine Richtung: Fertigt man eine Notification auf dem Lockscreen des iPhones ab, wird sie weiterhin auf der Pebble angezeigt bis man sie auch dort wegklickt oder sie nach einiger Zeit von alleine verschwindet. Das ist leider etwas umständlich und zeigt noch einmal gut auf, dass die Pebble in Verbindung mit einem iOS Device eher eine Zweckgemeinschaft anstatt eines eingespielten Teams ist. Diesem Umstand sollte man sich als iPhone Besitzer bewusst sein, wenn man sich für den Kauf einer Pebble entscheidet. 

 

Apps und Watchfaces

Mein Problem mit den Pebble Apps ist, dass es zwar ein großes Angebot gibt, aber viele sind einfach nicht wirklich gut.

Pebble wirbt mit einer großen Anzahl an verschiedenen Apps und Watchfaces für die Time und tatsächlich ist das Angebot umfangreich. Da auch Apps der Vorgänger-Pebble kompatibel sind, greift die Pebble Time von Beginn an auf einen beträchtlichen Pool an Apps zurück. Darunter finden sich auch einige der großen Player: Wunderlist, Evernote, TripAdvisor, Uber, ESPN, Swarm.

Mein Problem mit den Pebble Apps ist allerdings, dass es zwar ein großes Angebot gibt, aber viele der Apps nicht wirklich gut sind. Qualitativ hochwertige Apps sind eher rar gesäht und vielen merkt man deutlich an, dass sie von Amateuren in ihrer Freizeit erstellt worden sind. Im Pebble App Store gibt es keine Möglichkeit die Apps zu monetarisieren und dadurch fehlt ein entscheidender Anreiz für Entwickler, die professionell Apps entwickeln. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Watchfaces: Das Angebot ist groß aber qualitativ eher durchwachsen. Dennoch ist die Auswahl wohl umfassend genug, um den Großteil der Nutzer zufrieden zu stellen. 

Sowohl Apps als auch Watchfaces sind bei der Pebble Time ausreichend vorhanden – man darf nur nicht mit denselben Qualtitätsansprüchen, wie man sie zum Beispiel an den Apple App Store hat, an sie herantreten.  

 

Unterm Strich 

Ich habe mir die Pebble Time aus zwei Gründen gekauft: Das Produkt Pebble bot sich als vergleichsweise günstiger Weg an, um die Produktgruppe Smartwatch auf den persönlichen Nutzen für mich zu testen. Außerdem bietet die Pebble Time ein Paket, das auf dem Smartwatch Markt bisher für sich steht.  

Und an sich funktioniert die Pebble gut. Das Gerät ist sehr funktional gehalten und erfüllt seinen Job als Smartwatch. Mit dem direkten Konkurrenten – zumindest auf dem iPhone – der Apple Watch will sich die Pebble gar nicht messen und das kann sie auch nicht. Dafür sind viele Funktionen zu sehr eingeschränkt und die Verarbeitung immer noch zu viel plastik und zu wenig hochwertig. Ist man auf der Suche nach langer Akkulaufzeit, rudimentären Notifications am Handgelenk und einer funktionierenden Uhr, dann ist man bei der Pebble Time gut aufgehoben. Aber da hört es auch auf und dem sollte man sich bewusst sein. 

Die Pebble Time kann und will sich nicht mit der Apple Watch messen.

Auch nach vier Wochen ist die Pebble für mich ein Gimmick geblieben. Es ist angenehm nicht jedes Mal das Handy aus der Tasche nehmen zu müssen, wenn eine Notifications eintrudelt – aber mehr auch nicht. Sowieso liegt das Smartphone oft vor einem auf dem Tisch, neben einem auf der Couch oder man hat es ohnehin schon in der Hand. Zwar ist es praktisch das Handy irgendwo in der Wohnung rumliegen lassen zu können und trotzdem keinen Anruf zu verpassen – aber das einzige, was man dadurch schafft, ist ein bisschen mehr Bequemlichkeit.

Ich habe nicht das Gefühl, dass mir die Pebble in den letzten Wochen einen tatsächlichen Mehrwert geboten hat. Als Tech-Nerd freue ich mich über ein weiteres Spielzeug und als solches habe ich durchaus meinen Spaß an der Pebble – aber mehr ist sie dann doch nicht.

Inzwischen ist man Technik gewohnt, die sich an den User und seine Bedürfnisse anpasst - die Pebble dagegen wirft einen in eine Zeit zurück, in der sich noch der User an die Hardware anpassen musste. Awesome Smartwatch? For some. There are just too many compromises. 

TL/DR: 

Die Pebble Time funktioniert unter iOS als Uhr mit rudimentären NotIfications – wer mehr erwartet, sollte zur Apple Watch greifen.

Bei Fragen, Anmerkungen oder Verbesserungen gerne kommentieren oder direkt via @tporwol.